Zu meiner Tätigkeit in der Landes-Ärztekammer Hessen

 

Ich wurde, als Vertreterin der Liste Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (LDÄÄ),  einer Liste, die sich aus unterschiedlichen Verbänden zusammensetzt und in der ich den VHVP repräsentiere, von der  Delegiertenversammlung zur Beisitzerin in das Präsidium der Landesärztekammer Hessen gewählt.

Zu den Aufgaben des Präsidiums der LÄK  zählen u. a., die Organisation der laufenden Geschäfte der Kammer, die Betreuung der Bereiche Weiterbildung, Berufsgerichtsbarkeit und die Aktivitäten in der  Meinungsbildung, die bei der Bundesärztekammer einzubringen sind und dort Entscheidungen herbeizuführen sollen. Ebenso gehören dazu die  Nachwuchsförderung sowie der Einsatz um die Anerkennung unserer Arbeit als Ärztinnen und Ärzte in Politik und Gesellschaft. Auch die  Außenwirkung der Hessischen Ärzteschaft  wird im Präsidium reflektiert und in die politischen Gremien und die Öffentlichkeit getragen.

 

Das aktive Mitwirken an solchen Prozessen durch Meinungsäußerungen mit psychotherapeutischem und psychiatrischem Blickwinkel auf die berufspolitischen Belange habe ich als eine meiner wichtigsten Aufgaben für mein berufspolitisches Engagement verstanden.  Bisher scheint mir nämlich die spezielle Sichtweise aus psychotherapeutisch-psychiatrischer Perspektive in den Gremien der LÄK überhaupt nicht genügend vertreten. 

Vielen ärztlichen Kollegen und Kolleginnen sind die Psychotherapie und psychische Erkrankungen fremd, und damit  ist ihnen auch ein Verständnis für die Arbeit und Nöte von Psychotherapeuten und Psychiatern, sowie unsere besondere Situation der  Versorgungsproblematik nicht bewusst.

 

Dem Anliegen von  Ärzten und Ärztinnen, die sich in ihrer Arbeit für das Gebiet der  psychischen Erkrankungen einsetzen, sehe ich mich daher im Sinne des integrativen und ganzheitlichen Gedankens besonders verbunden. Wer kann z.B. in drei Minuten erklären, was der Unterschied zwischen einem Psychologen und  einem  Psychiater ist? Und wo ist die Gemeinsamkeit zwischen einem psychologischen Psychotherapeuten und einem ärztlichen Psychotherapeuten? Was verbindet und was trennt beide? Welche Patienten werden von wem versorgt?

Fragen, die ich gerne einmal in der Delegiertenversammlung als Quizfragen stellen würde. Ich bin sicher, nur eine Minderheit der an ärztlichen Entscheidungen beteiligten Kolleginnen und Kollegen in den Gremien wäre hier souverän in der Beantwortung dieser Fragen.

Letztendlich sind dies aber Fragen, für deren Antworten wir heute als Gruppe zuständig sind und Verantwortung haben.

 

Aufklärung, Erklärung  und immer wieder  aktive Mitarbeit an der Meinungsbildung in Gremien von Ärztekammer bis hin zur KV  ist ein Teil der Herausforderung, der ich mich gestellt habe, damit dem bestehenden Begriffsdurcheinander dem Nicht-Wissen und der Ignoranz entgegen gewirkt werden kann und Schaden von unserer Fachgruppe abgewendet werden kann. Schon in der basalen Arbeit handelt es sich um ein Auseinandersetzen mit den Begrifflichkeiten, die für uns Therapeuten vertraut und wichtig sind und bei anderen Fachgruppen unbekannt sind. Vieles wird dem Begriff Psychotherapie untergeordnet, mit der besonders in der Fachgruppe der Psychiater bereits erlebten Auswirkung, dass durch die Nichtwahrnehmung von Unterschieden und Besonderheiten, eine „Vereinheitlichung“ der Verfahren und eine „Verneinung“ von Gemeinsamkeiten erfolgt. Dadurch droht ein Verlust an Komplexität der Behandlungsansätze und Behandlungsmöglichkeiten, wodurch der Behandlungsspielraum der Therapeuten reduziert und den Patienten  eine qualitativ gute und breite Versorgung entzogen wird.

Psychotherapie und Psychiatrie sind, ebenso wie die Versorgung unserer Patienten und die Honorierung unserer Arbeit abhängig von der  entsprechenden Anerkennung, Verankerung und Wertschätzung im Bewusstsein der anderen Fachkolleginn, in Politik und Gesellschaft. Das in unterschiedlichen Gremien der LÄK und von der Politik oft erlebte nichtfachliche „Einmischen“ in unsere Arbeit  beeinflusst unsere Arbeit  nicht immer konstruktiv.

 

Die Etablierung eines Rahmens  innerhalb der Landesärztekammer, in der beratender und konstruktiver Sachverstand der Psychotherapie zu unseren Themen Sprache und Gehör finden kann, war über lange Zeit verhindert und behindert worden. Die Gründung des Ausschuss ärztliche Psychotherapie der Landesärztekammer Hessen,  deren Vorsitzende ich bin, ist daher ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Im Ausschuss sollen möglichst alle Fachärzte vertreten sein, die in der psychotherapeutischen Behandlung ihren Schwerpunkt haben. Die Vielfalt unserer Gruppe der psychotherapeutisch Behandelnden ist schon eine „Herausforderung“ an sich, und zwar nicht nur an den Wortschatz und für Facharztbezeichnungen innerhalb der deutschen Sprache, sondern auch an die Erfindungskunst fachlicher Bezeichnungen.

Anmerkung:

In keinem anderen europäischen Land  gibt es soviele unterschiedliche Facharztbezeichnungen mit Schwerpunkt psychische Erkrankungen wie in Deutschland.

Meine Interpretation ist es, dass sich in dieser Vielfalt der unterschiedlichen Therapeutengruppen auch die bisher errungene Qualität bei der  Behandlung psychischer Erkrankungen abbildet, die gerade auch im Ausland hoch geschätzt wird.

 

Die Liste der Bezeichnung sei hier aufgezählt:

Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie

Fachärzte für Psychiatrie

Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie

Fachärzte für Psychiatrie und  Neurologie mit Zusatztitel Psychotherapie

Fachärzte für Neurologie

Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Fachärzte für psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Fachärzte für psychotherapeutische Medizin

Ärzte mit Zusatztitel Psychotherapie

Psychologische Psychotherapeuten 

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

 

Sie alle haben im erweiterten Sinne  ein Gemeinsames …. die  Herausforderung Psychotherapie zu einem selbstverständlichen wichtigen Behandlungsansatz für die zunehmende Häufigkeit psychischer Störungen in unserem Gesundheitssystem zu etablieren.

 

 Wiesbaden, 26.08.2010                                      Alessandra B. Carella